Duschen, ein Drei-Gänge-Menü mit Wildgulasch und ein trockenes, warmes Plätzchen, von wo wir dem Regen beim Regnen zuschauen konnten, waren die Höhepunkte des sechsten Tages: Nach nur 1,5 Stunden Gehzeit hatten wir die Ortschaften Fossli und Liseth erreicht, wo wir einen Ruhetag in der Pension von Liseth einlegten. Mit wiedergewonnenen Kräften brachen wir am nächsten Morgen in Richtung Hardangerjøkulen auf. Nachdem wir am Vorabend mit einer Gruppe ehrenamtlicher DNT Helfern, welche sich für die Wegeinstandsetzung einsetzten, ins Gespräch gekommen waren und uns Rat bezüglich der weiteren Routenplanung eingeholt hatten, wollten wir den Hardangerjøkulen östlich umrunden: Der Weg sollte nach Auskunft der Gruppe bei schlechtem Wetter und schwerem Gepäck einfacher zu begehen sein. Und das Wetter war in der Tat schlecht: Wir kämpften uns durch Regen, Nebel und Wind. Die Sicht war zeitweise so schlecht, dass wir sogar vom Weg abkamen. Doch unsere Laune blieb trotz des nasskalten Wetters gut. Ein wahrer Lichtblick erwartete uns, als scheinbar wie aus dem Nichts der Sysenvatnet, eine riesige Wasserfläche, mehr Meer als See vor uns auftauchte. Plötzlich teilte sich über dem Wasser die graue Wolkendecke und es wurde Licht – silbrig glänzten die Wellen unter diesem Sonnenfenster. Fehlte nur noch, dass das Wasser sich vor uns teilte und Gott von seiner Wolke zu uns sprach.

Eigentlich sollte unser Weg von hier aus nach Norden, Richtung Gletscher führen. Doch der Wind wehte so stark aus nördlicher Richtung, dass das Übernachten im Zelt dort nicht möglich schien. Wir entschieden uns daher für einen 1,5 stündigen Umweg und die Übernachtung in der Selbstversorgerhütte von Kjeldebu. Eine Gruppe Angler – zwei Väter mit ihren Söhnen hatten hier ebenfalls Unterschlupf gesucht. Bei Kaffee, Haferbrei mit Pfirsich und einem gusseisernen, bollernden Ofen war es erstaunlich gemütlich in der Hütte, während draußen der Wind um das Haus pfiff.