Padjelantaleden – Etappe 6

Wir wachen früh morgens auf, weil das Zelt in der prallen Sonne steht und es nicht nur hell, sondern auch extrem warm ist. In den Daunen wird es langsam klebrig, also stehen wir auf. Als erstes geht es runter an den kleinen Bach, direkt unter unserem Felsen. Wir putzen uns die Zähne und waschen uns die Haare. Anschließend gibt es dann endlich Frühstück.

Die Strecke führt uns heute den ganzen Tag durch die Birkenwälder des Tarradalen entlang am Tarrajakka. Es ist hübsch, aber etwas monoton. Ich fange an, den Tagen im Fjaell nachzutrauern, da wo die Sicht so unendlich zu sein scheint, wo es wild und einsam ist, das habe ich hier oben doch gesucht und jetzt sehe ich nur Birken, Mücken und diese Holzplanken. Die Planken sind für mich ziemlich anstrengend, obwohl sie eigentlich das Vorankommen erleichtern sollen, stören sie mich eher. Man bekommt zwar keine nassen Füße, aber obwohl man sich in der größten Wildnis Europas befindet, wird einem genau vorgegeben, wo der nächste Schritt zu setzen ist. Ich fühle mich irgendwie bevormundet. Hinzu kommt, dass es mit 25kg Gepäck anstrengend ist, auf einer Planke zu balancieren, vor allem wenn man eigentlich in der Gegend umher gucken möchte. Aber es hilft nichts, die Birken wachsen hier und der Steg ist auch da. Ich laufe also mit geneigtem Kopf dem Steg hinterher und überlege, wie ich bis Kvikkjokk eine Alternativroute herzaubern soll, drei Tage habe ich keine Lust auf den Schwebebalken. Aber genau dieser Weg wird uns morgen und übermorgen um das Tarrekaise-Gebirge führen; auf der Karte sieht es so aus, als würde sich die Vegetation nicht nennenswert ändern. Warum gehen wir nicht einfach über das Gebirge? Auf der Karte gibt es keine Wege durch das Gebirge. Aber wir sind ja nicht in den Alpen, wo man einfach abstürzen kann, wenn man die Steige verlässt- man sollte sich also einfach mit Karte und Kompass durchschlagen können.…
IMG_1183Als wir am frühen Nachmittag an der Sammarlappa-Hütte ankommen, beschließen wir, es für heute dabei zu belassen, etwas zu essen und dann in den Fluss zu springen.
Beim Essen mache ich etwas Werbung für meine Alternativroute und kann Kati tatsächlich von meiner Idee überzeugen. Wir werden morgen also ein kurzes Stück des Weges, den wir gekommen sind, zurückgehen – bis zu der Stelle, wo das Tarrekaise nicht so steil aufragt wie direkt hinter der Hütte, und uns dann einen Weg durch das Dickicht suchen, so der Plan.
Das Wasser vom Fluss ist herrlich kalt, wir halten es nicht besonders lange darin aus, aber es ist unglaublich erfrischend und unter Wasser stechen auch die Mücken nicht, obwohl die mich mittlerweile schon fast nicht mehr stören. Nur wenn sich eine hinter die Brille verirrt, ist es unangenehm, man schlägt automatisch nach dem Vieh und haut sich dann selbst die Brille vom Kopf.
Beim Abendbrot in der Hütte lernen wir ein Paar aus der Schweiz kennen und unterhalten uns eine ganze Weile. Wir werden sie zwei Tage später in Kvikkjokk wieder treffen.

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