Der Motor heult laut auf und es stinkt nach Diesel. Der Bus schaukelt so stark, dass man Angst bekommen könnte, er würde umkippen, wir würden dann ins Wasser stürzen. Unser Fahrer fährt den Bus direkt das steile Ufer hinunter und geradeaus auf die Furt zu. Dann gibt er Gas, um durch den Fluß zu fahren und sich am entgegengesetzten Ufer, mit dem letzten bisschen Schwung, den steilen Hang hinauf zu arbeiten.

Der Bus in dem wir sitzen ist kein gewöhnlicher Reisebus, sondern ein geländegängiges Allradfahrzeug mit geschätzten 150cm Waattiefe. Wir sind seit guten drei Stunden auf dem Weg von Reykjavik nach Landmannalaugur. Landmannalaugur ist isländisch für „Die Quellen der Landmänner“. Dort beginnt die erste der klassischen sieben Etappen des Laugavegur, die wir über Þórsmörk, bis nach Skógar wandern werden. Ich freue mich seid Wochen darauf, wieder den ganzen Tag in der Natur zu sein, unter freiem Himmel zu schlafen und zu kochen und auf die Weite und die Ruhe. Wie schon in den Vorjahren habe ich die letzen Wochen vor der Abreise mit akribischer Routen- und Proviantplanung verbracht, nicht zuletzt, um die Zeit bis zum Flug zu verkürzen.

Als wir endlich in Landmannalaugur ankommen und aus dem Bus steigen, ist meine Vorfreude aber bereits getrübt. Wir sind gerade schon an unzähligen Autos und Touristen vorbeigefahren, die mit schwerer Fotoausrüstung an der Sandpiste entlang liefen. Um die vier Hütten von Landmannalaugur stehen bereits über fünfzig Zelte und sicher weitere zwanzig Jeeps. Die Hütte, in der die Anmeldung des Zeltplatzes untergebracht ist, erkennt man sofort an der langen Schlange davor. Wir sind offensichtlich nicht die Einzigen, also reihen wir uns ein, bezahlen und machen uns dann auf die Suche nach einem kleinen Fleckchen für unser Zelt. Den grünen Aufkleber, den wir als Quittung bekommen haben, platzieren wir, gut sichtbar, an einer der Abspannleinen unseres Zelts. Der ganze Platz erinnert mich irgendwie an einen Ameisenhaufen. Es wimmelt hier nur so von Menschen in neuer Funktionskleidung. Überall werden eifrig Ausrüstungsgegenstände hin und her transportiert, ausgebreitet, aufgeschichtet und neu geordnet. Es dauert nicht lange, da beginnt mich das alles extrem nervös zu machen. Ich kenne das Gefühl, es kommt auch wenn ich am Samstag durch die Fußgängerzone in München gehe oder über das Oktoberfest laufen muß. Ich muss dringend diesen Platz verlassen. Kati merkt schnell was los ist. Wir verstauen unser Gepäck im Zelt und verlassen den Platz, um uns auf einen Erkundungsgang zu flüchten.

Nach ein paar Minuten wird es ruhiger. Es kommen uns nur noch vereinzelt Personen entgegen, das Gewusel des Zeltplatzes haben wir hinter uns gelassen und die Landschaft, die sich uns jetzt offenbart, ist einfach nur beeindruckend. Einem Flusslauf folgend, laufen wir über gelben und roten Sand, vorbei an bläulich schimmernden Bergflanken, großen schwarzen Felsen  und weißen Schneeflächen aus denen vereinzelt heißer Dampf aufsteigt. Es riecht nach Schwefel. Das ist also Island und morgen geht es endlich richtig los.