Es sind vermutlich wieder gute 30 Kilo. Zelt, Schlafsack, Kochgeschirr, Kleidung  und vor allem Lebensmittel für 14 Tage. Das Packen selbst ist keine große Sache, es muss einfach nur alles irgendwie in den Rucksack rein. Ich habe dafür eine halbe Stunde gebraucht. Die Vorbereitung hingegen dauert immer Wochen. Es beginnt mit dem Schreiben von Listen: Einkaufsliste, Packliste, ToDo-Liste.

Das Zelt habe ich noch einmal aufgebaut um sicher zu gehen, dass alle Heringe und Abspannseile da sind. Die Isomatte habe ich aufgeblasen und drei Tage liegen lassen um zu prüfen, dass sie auch wirklich kein Loch hat und den Kocher habe ich auch noch einmal auf dem Balkon getestet. Eine kaputte Dichtung oder ein lecker Schlauch wären Vorort eine Katastrophe. Und dann kommt das Wiegen und Abpacken der Lebensmittel. Ich habe für genau zwei Wochen Proviant gepackt, das entspricht etwas mehr als 7 Kilo. Trockennahrung, Nüsse, Schokolade, Haferflocken und Milchpulver. Ich kalkuliere mit 2500kcal am Tag. Das ist nicht besonders viel, reicht aber aus wenn man immer mal wieder die Gelegenheit hat sich zwischendurch in eine Fjaellstation satt zu essen. In der Hardangervidda 2013 hatte ich nur knapp 2000. Das wurde dann wirklich irgendwann eng, im Gegensatz zu meiner Hose. Damit ich wirklich genau weiß, für wieviel Tage meine Verpflegung noch reicht, packe ich tatsächlich alles einzeln ab. Ich verschweiße meine Tagesration Nüsse und Schokolade für zwischendurch und auch die Haferflocken mit Milchpulver, Zimt und Zucker fürs Frühstück, einzeln in kleine Beutel und beschrifte sie mit Gewicht und Kalorienanzahl. So kann ich mit einem Blick in den Rucksack sehen, wie viele Tage ich noch auskommen. Das gibt mir ein gutes Gefühl wenn ich unterwegs bin, kostet mich aber einen langen Nachmittag an dem ich mit Wiegen und vakuumieren beschäftigt bin.

Morgen, Samstag um 7:55 fährt mein Zug vom Münchener Hauptbahnhof in Richtung Harlingen ab. In Harlingen liegt die Antigua, ein dreimastiges Segelschiff, mit dem ich am Sonntag in Richtung Norwegen und Spitzbergen aufbreche. Meine Freunde Maarten und Birgit und die übrige Crew sind schon seid Wochen vor Ort und bereiten alles für die Reise vor. Die Passagiere kommen am erst am Sonntagabend an. Ich bin also schon einen Tag früher da, was mir sehr recht ist, weil ich dann die Chance habe die gesamte Besatzung kennenzulernen bevor die Gäste an Board kommen. Bis Spitzbergen werde ich Teil der Crew sein und alle Arbeiten verrichten die man mir gibt. Oder wie Birgit es auch gesagt hat: An Board gibt es immer etwas zu tun, häufig muss man die Arbeit aber auch einfach sehen. Ich hoffe sehr, dass ich eine Hilfe für die Crew sein werde und mir meine Überfahrt mit guten Gewissen verdienen kann.