Ski-Trekking im Espedalen

Letztes Jahr, auf meiner Reise nach Spitzbergen, habe ich Christoffer kennengelernt. Wir haben uns eine gemeinsame Kabine auf der Antigua geteilt und uns auf Anhieb gut verstanden. Wir fanden gleich eine gemeinsame Basis und redeten viel über unsere Wanderungen und Touren in Norwegen. Ich traf ihn dann auch später noch einige Male in Oslo. Als er mich dann ein paar Monate später fragte, ob ich Lust hätte im Februar, mit ihm und ein paar Freunden, zum Skitrekking ins Espedalen zu kommen, sagte ich spontan zu.

Als unser Bus endlich an der verabredeten Bushaltestelle anhält, steigen Fred und ich aus. Christoffer und Paul warten schon auf uns. Fred ist ein Freund von Paul, mit dem ich mich schon am Flughafen getroffen hatte. Paul ist schon zwei Tage bei Christoffer in Oslo gewesen um Vorbereitungen zu treffen. Wir laden die Rucksäcke in den Kofferraum von Christoffers Wagen und fahren zu seiner Wohnung. Hier werden wir heute gemeinsam etwas essen, ein paar Bier trinken und dann früh schlafen gehen. Morgen treffen wir dann die fünf anderen Gruppenmitglieder in Lillehammer. Wir haben vor, eine knappe Woche lang, mit Skiern durch das Espedalen zu fahren. Das Tal liegt nordwestlich von Lillehammer und außer ein paar Hütten und viel Aussicht gibt es hier kaum etwas.
Christoffer und Paul haben vor ein paar Jahren gemeinsam Grönland durchquert. jetzt geben sie ihre Erfahrungen an uns weiter. Wie kleidet man sich am besten bei -20°, wie verhindert man, dass man sich die Hände abfriert? Was und wieviel isst man am besten und auf was ist sonst noch zu achten? Am ersten Abend packen wir gemeinsam unseren Proviant. Ich kenne das im Grunde schon von meinen Trekkingtouren im Sommer, nur die Kalorienmenge unterscheidet sich. Die anderen waren aber vorher noch nie so lange autark unterwegs. Für sie ist das Abfüllen von Nüssen, Schokolade und Haferflocken in Portionsbeutel neu.

Nachdem wir am ersten Tag nur eine kleine Tagestour gemacht hatten um warm zu werden, geht es am zweiten Tag endlich raus ins Fjäll. Das Wetter ist herrlich und die Landschaft überwältigend schön. Es gibt kaum Bäume, dafür Hügel und in der Entfernung Berge. Es liegt überall Schnee und es ist sehr ruhig. Ich freu mich auf die bevorstehenden Tage, weg von allem, nur die Gruppe und die Weite der Natur.


Alles was wir brauchen, transportieren wir in unseren Rucksäcken. Kleidung, Schlafsäcke, Lebensmittel. Es ist ein Unterschied ob man ohne Gepäck in einer präparierten Loipe oder mit 20 Kilo auf dem Rücken durch das norwegische Hochfjaell läuft. Wir müssen uns alle erst an die Rucksäcke gewöhnen, aber nach einigen Kilometern läuft es dann eigentlich bei jedem recht gut.
Damit wir nicht auch noch Zelte mitnehmen müssen, werden wird in den Selbstversorgerhütten des norwegischen Touristenvereins DNT schlafen. Dort gibt es immer Betten, Brennholz und einen Holzofen zum einheizen. Fließend Wasser gibt es nicht, aber ausreichend Schnee zum Schmelzen. Schnee sammeln und Feuermachen ist dann auch das erste was wir tun, als wir abends an der Hütte ankommen. Als das Wasser kocht, reißen wir unsere Turmat-Tüten auf und füllen das Wasser hinein und rühren andächtig darin herum.

Die folgenden Tage verlaufen dann alle nach einem sehr ähnlichen Muster: Aufstehen, Feuer machen, Schnee schmelzen und Frühstücken. Parallel dazu: Mehr Schnee schmelzen für die Thermoskannen. Danach: Rucksäcke packen, Hütte aufräumen und Abmarsch. Wir machen regelmäßig, jede Stunde, eine kurze Pause von 10 Minuten. Jeder hat jetzt die Zeit etwas an oder auszuziehen, etwas zu essen oder zu trinken oder schnell hinter einem Stein zu verschwinden. Dann geht es weiter. Mittags machen wir eine 30 minütige Pause. Diesen Rhythmus ziehen wir den ganzen Tag über durch, bis wir abends an der Hütte ankommen. Der Rhythmus ist wichtig, er gibt der Gruppe eine Sicherheit. Niemand muß jemals um eine Pause bitten, nie muß die Gruppe diskutieren. Wenn wieder eine Stunde rum ist, gibt es wieder eine Pause. So einfach ist das. Da es eh überall weiß und flach ist, braucht man auch nicht nach einem besonders schönen Plätzchen zu suchen. Es ist hier überall schön.

 

 

 

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