Pfingsten im Tannheimer Tal

Bevor mir ein Kollege vom Tannheimer Tal erzählte, hatte ich die Gegend um das Hochtal in Tirol nicht auf dem Zettel. Den Namen hatte ich natürlich schon mal gehört, aber wo ich es hätte verorten sollen, wusste ich nicht. Nach einem Blick auf die Karte ergab sich dann aber doch eine recht gute Idee und nach ein paar weiteren Recherchen war die Route für Pfingsten auch schon ausgearbeitet ausgearbeitet.

Mit dem Zug ging es am Samstag von München über Garmisch Partenkirchen nach Reutte, wo wir unsere dreitägige Wanderung starteten. Direkt vom Bahnhof aus, gingen wir in nördliche Richtung aus dem Ort heraus und überquerten den Lech auf einer Fußgängerbrücke. Wir folgten zuerst der Strasse nach Hinterbichl bis zum Frauensee, wo Eltern in der Sonne lagen und Kinder im Wasser planschten. Von hier benutzten wir den schmalen Steig in Richtung Schallerkapelle bis zum Gehrenjoch und dann hoch auf den Schneid. Hier oben hatten wir nicht nur einen schönen Ausblick über das gesamte Gebiet sondern auch schon die Lech-Aschauer Hütte im Blick, auf der wir, nach einem Bier und einem großartigen Knödelgröschtel auf der Terrasse, die ersten Nacht verbrachten.

 

Wir haben gut geschlafen in unserem Lager unterm Dach, mit den zwölf Betten, die wir alle für uns hatten, wohl weil für dieses Wochenende das Wetter nicht besonders gut vorhergesagt war. Wir wachten morgens von den lauten Regentropfen, die auf das Blechdach und die Fenster prasselten auf. Kein wirklich einladendes Wetter aber ein Wetter, welches wenig andere Wanderer erwarten ließ. Wir gingen erstmal die kleine Treppe in den Gastraum runter um zu frühstücken. Im Ofen brannte schon ein Feuer und wir suchten uns den Tisch genau gegenüber aus. Kaffee, Brot, süßer Stuten und Marmelade von Darbo, wir waren in Tirol angekommen. Die Hüttenwirte Margit und Andi kamen noch ein paar Male um sich nach uns zu erkundigen und noch Brot und Käse nachzulegen. Es war wahnsinnig nett bei ihnen und ich denke wir werden wieder kommen.

Nach dem Frühstück verließen wir dann im strömenden Regen die Hütte und machten uns auf nach Nesselwängle, von wo aus wir ein Stück an der Strasse entlang nach Rauth und dann das komplette Birkental zur Landsberger Hütte wanderten. Entgegen meiner Erwartung war der Weg durch das Birkental richtig hübsch. Ein kleiner Pfad schlängelte sich die ganze Zeit oberhalb eines Baches entlang und es waren immer wieder schöne Ausblicke, auf die schroffen Felswände gegenüber und in die tiefe Schlucht unter uns, möglich. Am Ende des Tals erreichten wir dann den großen Talkessel in dem wir in nördliche Richtung hinauf stiegen. Von Kesselrand öffnete sich dann der Blick über den Traualpsee und hinüber zur Landsberger Hütte, die am Grat zur Rote Spitze liegt. Auf der kleinen Lache vor der Hütte schwamm noch immer etwas Eis.

Überall in der Landsberger Hütte hingen Schilder herum, mit fetten Buchstaben, Ausrufezeichen, Unterstreichungen und ohne Ansprache und überflüssigen Höflichkeitsfloskeln. „Ab 9:00 werden die Zimmer eine weitere Nacht bezahlt!“ Das war an unserer Zimmertür zu lesen und so beeilten wir uns also mit unserem Frühstück und stellten zeitnah Abmarschbereitschaft her. Es hatte über Nacht wieder geregnet und der Weg hinter der Hütte war glitschig und aufgeweicht. Er führte uns in das Joch zwischen Rote Spitze und Steinkarspitze, auf die wir stiegen. Von hier konnte man, aus dem Wolkenmeer heraus, die umliegenden Gipfel sehen. Vom Gipfel aus nutzten wir zuerst den Grat zum Kastenjoch und danach den Weg durch die Schneefelder rüber zum Kirchendachsattel und runter zum Schreckensee. Ab hier stiegen wir bis nach Hinterstein ab. Es schüttete immer wieder wie aus Kübeln, so dass wir uns abwechselnd unter Bäumen unterstellten, Regensachen an und später schweißgebadet wieder auszogen.
In Hinterstein nahmen wir den Bus bis nach Sonthofen von wo wir mit dem ALEX bis nach München durchfahren konnten.