Papierkarten sind mir am liebsten. Am Tisch oder auf dem Boden zu sitzen, eine große Karte vor sich aufzuschlagen und die Route einzuzeichnen macht Spaß und steigert die Vorfreude. Es vermittelt aber auch einen guten Überblick über die Region, die Topographie und die Distanzen. Ich kann mich so aber auch, schon während der Tourenplanung, mit dem bevorstehenden Vorhaben auseinandersetzen. Das ist wichtig, weil wohl viel im Kopf entscheiden wird, bilde ich mir jedenfalls ein.

Wie bestimme ich aber den Routenverlauf?

Als ich anfing die Route zu planen, habe ich mir überlegt, wie ich die schönste Strecke finden kann. Dabei war mir klar, dass ich durch möglichst viele Nationalparks laufen möchte und ich möglichst wenig auf Straßen herumrennen will. Es erschien mir die einfachste Lösung zu sein, nachzusehen wo die meisten DNT Hütten stehen. Hütten sind immer mit Wanderwegen verbunden und meistens an schönen Orten gebaut worden. Wenn schon nicht die Lage der Hütte schön ist, dann doch wenigstens die Wanderwege die diese verbinden. Und im Zweifel führt der Weg am Ende irgendwo hin, wo es dann schön wird. Man hätte ja sonst keinen Wanderweg angelegt, richtig? Wo die ganzen Hütten und Wege verlaufen, kann man gut auf der Seite des DNT sehen.
Auf dieser Überlegung basiert meine gesamte Streckenplanung. Ich habe mir darum einen Datensatz mit allen norwegischen und schwedischen Wanderhütten erstellt. Diese Daten habe ich dann in Garmin BaseCamp importiert und begonnen meine Strecke zusammenzubasteln. Die schwedischen STF Hütten brauche darum, weil ich in Lappland etwas durch Schweden abkürzen werde.

Weil ich noch nicht weiß, welche Karten ich später überhaupt benötige, und die Strecke der Tour so lang ist, dass der Kartenberg nicht nur richtig teuer sondern auch richtig schwer würde, arbeite ich erstmal digital. Ich will mir die Karten nicht alle nach Hause bestellen, um dann einen Teil gar nicht gebrauchen zu können und den anderen Teil mit nach Norwegen schleppen zu müssen. Stattdessen plane ich die Strecke so genau wie möglich am Rechner und werde dann versuchen, immer direkt vor Ort, die nötigen Karten zu besorgen. Das mag natürlich ein Risiko sein, aber ich möchte gerne erstmal ohne Depots planen. Andere Fernwanderer schicken sich Pakete mit Karten und Lebensmitteln an Orte die sie im Verlauf der Tour ansteuern wollen, dann aber auch ansteuern müssen.

Using the right tool for the right job.

Ich verwende während meiner Planung verschiedene Werkzeuge. Ich finde die freien OSM Karten relativ gut, deutlich besser jedenfalls als GoogleMaps oder Bing, die sind in der Wildnis überhaupt nicht zu gebrauchen. Ich habe mir die OSM Karte für Norwegen, Schweden und Finnland bei http://www.freizeitkarte-osm.de/ herunter geladenen. Dort findet man die Karten schon in verschiedenen Formaten für verschiedene Geräte vor. Weil ich Garmin Basecamp verwende um meine Route zu planen, ist das sehr bequem.
Für den besseren Überblick und das analoge Papierfeeling habe ich mir von Nordeca den Blattschnitt für Norwegen zuschicken lassen. Hier kann ich meine grobe Route eintragen und sehe gleich welche Nummer die Karten hat, die ich im Zweifel später kaufen muss. Auf der Website der GEO Buchhandlung Kiel gibt es auch eine digitale Übersicht aller verfügbaren Karten, aber wie schon gesagt, ich zeichne ja gerne mit Bleistift.

In den Bergen liegt lange Schnee, Wetterdaten sind ein wichtiger Faktor

Je früher im Jahr und je höher über dem Meeresspiegel, desto tiefer ist der zu erwartende Schnee in den Bergen. Wann, Wo, Wieviel Schnee liegt ist wichtig bei der Streckenplanung zu berücksichtigen. Nun ändert sich das Wetter natürlich ständig und eine Vorhersage für den Mai ist sowieso quatsch. Es gibt aber eine Datenbank mit sämtlichen historischen Wetterdaten, die eine riesige Hilfe sein kann. Auf der Seite http://www.senorge.no findet man alles was man braucht. Es ist möglich, sich für vergangene Jahre die tagesgenauen Schneehöhen, für jeden einzelnen Quadratmeter des Landes, anzeigen zu lassen. Dabei sieht man recht gut, welches Tal man im Mai oder Juni doch besser noch auslassen sollte.

GPS vs. Smartphone

Auf die Frage, ob ich ein GPS Gerät benötige oder mir die digitalen Karten auf dem iPad oder dem Smartphone ausreichen, habe ich noch keine Antwort. Das GPS Gerät hat eine längere Batterielaufzeit und ist Wasserdicht, ein Smartphone habe ich eh dabei und auf dem iPad hätte ich deutlich mehr sichtbare Kartenfläche. Das iPad habe ich zum Schreiben ohnehin schon dabei, ein GPS Gerät wäre also zusätzliches Gewicht. In der Vergangenheit habe ich immer nur Papierkarten und meine Garmin Fenix 2 verwendet. Auf letztere hätte ich aber eigentlich auch verzichten können. Ich habe sie eher zum Aufzeichnen der Route denn zum Navigieren verwendet.
Hat jemand von euch schon Erfahrungen mit iPad, Smartphone oder GPS Gerät gesammelt? Bei welchen Apps lohnt sich ein prüfender Blick?

Für GEO-Nerds: Scraper, POIs und KML

Um verschiedenste Informationen auf einer GoogleMap platzieren zu können, ist es hilfreich sämtliche Daten in einem Google-Spreadsheet zu sammeln. Mit Hilfe von GoogleScript habe ich dafür einen kleinen Scraper geschrieben, der mir diverse Koordinaten zusammensucht und in die Tabelle einträgt. Aus der Google Karte heraus kann später einfach ein KML File erstellt werden. Auch Tracks, wie den Nordkalottleden, Padjelantaleden, Kungsleden oder Olavsleden integriere ich für die Planung auf der Karte.

Wenn jemand Interesse an Karte, der KML-Datei oder dem Spreadsheet hat, kann sie gerne, ohne Gewähr verwenden. Kleingedrucktes: Im Zweifel ist es jedoch besser auf die offiziellen Datensätze zurückzugreifen, da diese mit Sicherheit aktueller sind als diese. Ich habe mir diese Karte für meine persönliche Streckenplanung gebastelt, freue mich aber natürlich auch, euch damit helfen zu können.
Wenn jemand Daten hat oder kennt, die auf jeden Fall nicht fehlen dürfen, schreibt mir gerne eine Nachricht in die Kommentare.

Um ein anderes Format als KML zu erhalten empfehle ich auf der Kommandozeile GPSBabel oder http://www.gpsvisualizer.com/