Backups meiner Fotos ohne Notebook – Datensicherheit beim Trekking und auf Fernwanderungen.

Der Blick über die Hardangervidda hinweg, als ich das erste Mal den riesigen Gletscher sah den ich dann erst fünf Tage später erreichte, oder die vielen kleinen Eisschollen im Fjord vor dem Bug unseres Schiffes. Ich stand oben im Mast und sah fünfzig Meter in die Tiefe hinab. Und auch die Aussicht von den drei Zinnen, als es plötzlich schwarz wurde und das Gewitter aufzog, das alles sind Bilder von Reisen, die mir niemand nehmen kann. Diese Bilder sind für immer in meinem Kopf gespeichert. Aber all die anderen Bilder, die auf den zahlreichen Festplatten und SD-Karten, die sind gefährdet, entweder durch Verlust oder durch Beschädigung der Datenspeicher. Wie es passiert ist egal, die Bilder sind dann für immer weg. Es ist also wichtig regelmäßige Sicherungen seiner Fotos anzufertigen, auch oder vielleicht gerade während einer Tour. Da ich aber in Norwegen auf jedes Gramm achten muss, kann ich unmöglich ein Notebook und auch keine externen Festplatten mitnehmen. Das iPad mini ist eigentlich schon grenzwertig, zumal ja dann auch noch Solarpanel und Powerbank hinzukommen…

Wie fertigt man also draußen im Fjell Backups seiner Bilder an? Wie schon gesagt, ich habe ein iPad mini dabei. Mit Hilfe des entsprechenden Adpaters oder der Fuji-App werde ich die Bilder importieren und in Lightroom sichten. Hätte ich eine vernünftige Verbindung, könnte ich die Adobe Cloud verwenden um die Bilder zu sichern. Ich bin mir aber nicht sicher wann und wie oft ich überhaupt eine SMS schreiben kann. – Fällt also aus!

1000 technische Gadgets

Ich habe also recherchiert und auch verschiede Lösungen gefunden. Es gibt tatsächlich 2.5 Zoll Festplatten mit SD Card-Reader, Wlan und integriertem Akku. Man kann die Speicherkarten in den Slot stecken, auf einen Knopf drücken und der Inhalte der Karte wird auf die Festplatte kopiert. Über Wlan kann man sich dann per App auf die Festplatte verbinden und die Daten sichten. Klingt erstmal unkompliziert, ist aber nicht ganz billig und ich weiß nicht wie gut ich die Idee finde, vier Monate lang eine Festplatte durch Wind und Wetter zu tragen. Trotzdem hier mal die Links für die beiden Platten, die sind ja für den einen oder anderen eventuell interessant:

Alternativ gibt es auch einen akkubetriebenen Wlan-AP/Router/Bridge mit integriertem SD-Card Reader und USB Slot. Dieses Ding erfordert zusätzlich zwingen ein Smartphone, weil der Kopiervorgang über die zugehörige App angestoßen wird. Es läuft aber auf das Gleiche hinaus: Man verwendet ein weiteres Gerät das Geld kostet, kaputt gehen kann und Strom benötigt um auf die Daten von der SD-Card auf eine externe USB-Festplatte  zu kompieren.  So sieht das kleine Teil aus:

Beide Geräte haben für meinen Einsatz also einen Nachteil: Sie sind unnötig schwer, empfindlich und benötigen beide Strom den ich nicht bzw. nur unregelmäßig zur Verfügung habe und dann auch lieber für die Kamera und das GPS verwenden werde.

Aber was ist denn eigentlich ein Backup?

Nirgends steht, dass man für ein Backup eine „Cloud“ oder möglichst viel Hardware verwenden muß. Es muß auch nichts syncronisiert werden. Wichtig ist das Ergebnis. Am Ende will man nur irgendwo eine redundante Kopie seiner Daten, schlauerweise an einem anderen Ort, ablegen.

Welche Alternativen gibt es also, zu den oben beschriebenen, sonst noch? Das iPad ist hat zwar 128Gb Speicher, der ist aber teilweise auch schon mit anderen Daten belegt. Im Zweifel reicht es also nicht für vier Monate aus. Leider bin ich mit dem iOS Tablet auch nicht in der Lage auf externe Geräte zu schreiben. Sowohl das Camera Connection Kit als auch der USB Adapter sind Einbahnstrassen, man kann nur Dateien einlesen aber keine umkopieren. Warum das so ist weiß, außer Apple selbst, wohl auch keiner.

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Anders sieht das aber mit Android aus. Man kann mit Hilfe eines OTG Adapters USB Geräte anschließen. Nach einigem Gesuche habe ich einen OTG Adapter von Hama gefunden, der zwei USB Anschlüssen besitzt. Das Android Betriebssystem hängt damit auch tatsächlich zwei Laufwerke gleichzeitig ein. Es ist also ohne weiteres Möglich einen SD-Card Reader und einen anderen Speicher anzuschließen und die Daten von der SD-Karte auf das zweite Gerät zu kopieren. Der Adapter besitzt sogar einen MicroUSB Eingang um angeschlossene Geräte mit zusätzlichem Strom zu versorgen. Mit meiner Powerbank könnte ich also sogar eine Festplatte verwenden, wenn ich wollte. Mir sind USB-Sticks aber lieber, weil sie leichter und (hoffentlich) unempfindlicher sind. Wenn ein einzelner Stick oder eine SD Karte kaputt geht ist die Wahrscheinlichkeit, dass das jeweilige Gegenstück auch den Geist aufgibt, gering.

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Meine Backup-Strategie ist also mehr als simpel und kommt ohne zusätzliche Stromfresser aus (Das Telefon habe ich ja sowieso dabei). Ich verwende nur 16GB SD Karten, die ich alle, gut sichtbar, nummerieren werde. Für jede SD Karte nehme ich einen USB Stick für das Backup mit. Die Sticks werden ebenfalls gut sichtbar nummeriert. Alles verpacke ich dann in zwei wasserdichten Dosen, eine für die SD Karten und eine für die USB-Sticks. Alles gemeinsam an einem Ort aufzubewahren wäre wohl nicht besonders schlau… 😀
Mit Hilfe des Handys und des OTG-Adapters mache ich dann, regelmäßig abends im Zelt, Kopien. Zum Lesen der SD Karten verwende ich einen USB Reader, der selbst auch nicht größer als ein Stick ist und ungefähr 4,90€ gekostet hat.
Zum Kopieren verwende ich den Dateibrowser Total Commander aus dem Gggoogle Play Store. Der ist zwar nicht schön aber man kann, mit Hilfe von Suchmustern, viele Dateien auf einmal markieren und dann mit einem Klick an einen anderen Ort kopieren. Außerdem zeigt die App externe Speichermedien auch als solche an, nicht wie bei anderen Datei-Browsern, bei denen man den Mountpoint mühselig irgendwo im Dateisystem suchen muß.

Das war’s, mehr brauche ich hoffentlich nicht. Keep it simple, stupid! Lasst es mich wissen, wenn Ihr noch andere Ideen habt. Ich freue mich über eure Tipps.

 

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1 Kommentar

  1. Hause ich finde Dein Idee absolut Zweckmäßig für den Einsatzzweck. Mir gefällt das simple umkopieren auf USB Sticks. Nun kenne ich Dich ein wenig und weiss das Du nicht einer der Gesellen bist, die 500 Bilder RAW / JPG am Tag machen. Also denke ich als alter IT-ler das den Vorgehen eine gute Wahl ist.
    Aus meiner Erfahrung kann ich nur von den Western Digital My Passport Wireless Laufwerken abraten. Zu anfällig und Instabil bei der Datenübertragung. Die W-Lan Anbindung ist ein Graus. Abstürze sind häufig.

    Viel Erfolg bei deinem Vorhaben und viele Grüße

    Michael

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