Heute ist der 17. April, also noch genau ein Monat bis zum Abmarsch am Leuchtturm in Lindesnes. Die Vorbereitungen für meine „Norge på langs“ Unternehmung sind abgeschlossen. Das ganze Material liegt zum Einpacken bereit, bzw. auf dem Wohnzimmerfußboden verstreut. Ich habe diverse Listen geschrieben und auch genau so viele abgehakt. Eigentlich könnte ich jetzt loslaufen. Aber es fallen mir ständig Kleinigkeiten ein, die ich noch verbessern könnte. Wo kann ich noch Gewicht einsparen? Was lasse ich doch lieber im Schrank? Wieviel Gramm Polenta passen in eine Tasse und wie viele Kalorien sind das dann? Muss ich die Strecke wegen des Schnees noch umplanen?

Gut, „Finetuning“ macht auch Spass. So kann ich mich schon im Voraus mit der Tour beschäftigen. Das ist gut für die Motivation und gibt mir auch das gute Gefühl, nichts dem Zufall überlassen zu haben. Wenn dann etwas schieflaufen sollte, so lag es wenigstens nicht an der Planung. Aber was soll schon schieflaufen? Ja, was eigentlich!? Aber genau das ist die Frage, die durchaus das Potential dazu hat, mich so richtig nervös zu machen. Keine Ahnung, was kann denn alles passieren? Da fällt mir schon eine ganze Menge ein… Ich brauche nur blöd umzuknicken und der Drops ist gelutscht. Aber ich knicke sonst ja auch nicht ständig um. Ich könnte mir aber auch wieder eine Knochenhautentzündung zuziehen. Ja, das könnte ich natürlich. Aber warum sollte ich das tun? Die Gefahr kenne ich jetzt schon und das passiert mir nicht ein zweites Mal. Ich werde zu Beginn einfach deutlich kürzere Etappen laufen. Vor zwei Jahren, auf dem Weg von Oslo nach Trondheim, habe ich es einfach übertrieben. Aber, wenn noch zu viel Schnee in den Bergen liegt und ich nicht weiter komme, was ist dann? Das wäre natürlich doof, aber dann besorge ich mir entweder Schneeschuhe oder Skier oder ich plane einfach die Route um. Und in den Tälern wird es schon grün. Das kann ich auf den Wetterkarten sehen. Und dann tut der nahende Frühling den Rest.
In der Theorie ist es dann ganz einfach für jedes Problem eine Lösung zu finden, ob das dann unterwegs auch so einfach ist wird sich zeigen. Vielleicht muss ich mich aber auch einfach damit abfinden, dass sich nicht alle Dinge planen lassen. Ich muß dann mit ihnen umgehen, wenn es soweit ist. Das ist vermutlich auch der Reiz so einer Tour. Roald Amundsen soll ja gesagt haben: „Abenteuer ist nichts weiter als schlechte Planung“. Dann höre ich jetzt mal auf zu Planen, ein bisschen Abenteuer kann es ja ruhig sein….