„Bist Du Hauke? Der Typ an der Rezeption hat mir gesagt, dass Du auch hier bist. Ich heiße Andi.“ Ich sitze gerade beim Flicken meines Inletts auf dem Bett der kleinen Hütte, die ich mir für meinen Ruhetag in Hovden gemietet habe, als ein Typ in meinem Alter, mit Bart und Patagonia Trucker-Cap, seinen Kopf durch meine Tür steckt. Er ist, wie sich herausstellt, zwei Tage nach mir in Lindesnes gestartet und jetzt auf mich aufgelaufen. Weil er mir bei Instagram folgt wusste er schon, dass ich in der Nähe bin und er freut sich, mich hier zu treffen. Da ist er nicht der Einzige, ich freue mich tatsächlich auch sehr endlich mal wieder jemanden zum quatschen zu haben. Jetzt soll mal jemand sagen, soziale Netzwerke wären nicht sozial. Wir sitzen den ganzen Abend an meinem kleinen Tisch zusammen und unterhalten uns. Ich werfe ein paar Pølser in die Pfanne und wir teilen uns ein Bier. Wie sich herausstellt, kommt Andi nicht nur auch aus München, er wohnt sogar fußläufig höchsten 15 Minuten von mir zuhause entfernt. Eigentlich sind wir also fast Nachbarn. Ich habe mich ehrlich noch nie so gefreut im Ausland einen anderen Münchener, (eigentlich sind wir beide auch nur Zugereiste) zu treffen. Ursprünglich will Andi morgen die Strasse nach Haukeli hochlaufen und dann von dort nach Geilo weiter. Aber endlich in die Berge zu kommen reizt ihn auch. Er hat es, wie er sagt, bisher alleine noch etwas gescheut. Also beschließen wir, am nächsten Tag gemeinsam meiner Route durch die Berge, nach Haukeliseter und dann später weiter durch die Hardangervidda, zu folgen.

Die nächsten drei Tage verfliegen wie im Flug. Laufen, quatschen, Pause machen und weiter laufen. Alles in der grandiosen Kulisse von schneebedeckten Gipfeln, großen Seen auf denen noch Eisschollen schwimmen und immer zwischen den moosbewachsenen sanften Hügeln hindurch. Es ist nicht schwierig sich auf meinen Pausenrhythmus zu einigen. Jede Stunde legen wir also eine Pause ein, Mittags sogar eine lange, in der wir uns zum Beispiel ein paar Chinanudeln warm machen. Abends kochen wir dann vor unseren Zelten, quatschen, schreiben Tagebuch und trinken noch gemeinsam einen Kaffee. Dann verschwindet jeder in seinem Zelt. Ich höre noch ein Kapitel meines Hörbuches. Es kommt nicht eine Sekunde Langeweile auf. Es ist super und ich habe in den letzten Tagen nicht mehr einmal gezweifelt. Ich bin eher das erste Mal richtig zuversichtlich, die nächsten zwei Wochen ohne weiteres hinter mich bringen zu können. Was dann passiert wird man dann sehen, es ist heute aber eigentlich auch völlig egal.

Haukelister war mein erstes großes Etappenziel. Nicht nur des Names wegen, sondern auch, weil Kati und ich vor fünf Jahren Røldal und eben nicht Haukeliseter, als Startort unserer Tour durch die Hardangervidda gewählt hatten. Die Stabkirche hatte damals die Namesähnlichkeit besiegt.

Die Hütte ist schon drei Stunden bevor wir sie erreichen von einem schneebedeckten Pass aus zu sehen. Schon aus der Entfernung finde ich sie imposant. Aber drei Stunden später stehen wir dann zwischen den großen, alten, schwarzen Holzhäusern, die direkt am See stehen. Die Fensterläden sind rot gestrichen und die vertikalen Holzbalken sind mit Schnitzereien verziert. Es sieht fast wie ein Museumsdorf aus. Innen ist aber alles sehr modern. Einen richtigen BLick habe ich dafür aber erst später, nach der Dusche.

Andere Wanderer treffen wir hier aber keine, nur ein paar Tagesgäste sind hier, die die Aussicht auf den See und die dahinter liegenden Berge bei einer Suppe oder einem Kaffee genießen wollen. Das gleiche tun wir dann aber auch. Auf heiße Waffeln mit Schmand und Erdbeermarmelade habe ich mich nämlich schon lange gefreut und endlich gibt es sie hier. Dazu einen Kaffee, perfekt! Es sind oft einfach die kleinen Dinge…

Achso, Andi bloggt übrigens auch, hier ist sein Blog: https://paafjellet.com/2018/06/04/raus-in-die-berge/