Vier Wochen auf See – Von Harlingen nach Spitzbergen

„An Board gibt es immer etwas zu tun, man muss die Arbeit einfach nur sehen!“

Das hatte Birgit mir vor der Reise gesagt, als ich meine Bedenken äußerte, keine richtige Hilfe sein zu können. Da ich noch nie vorher auf einem Schiff, geschweige denn auf einen Segelschiff gearbeitet hatte, hatte ich Bedenken nur im Weg rumzustehen. Normalerweise gehe ich ja morgens in ein Büro, sitze am Computer, lese und beantworte Emails und gehe abends wieder nachhause. Ich wollte aber einfach mal eine Zeit lang etwas ganz anderes tun, den Kopf frei kriegen, keinen „nine to five job“ machen, sondern ehrliche körperliche Arbeit bei Wind und Wetter an Deck verrichten.

Also fuhr ich vergangenes Jahr vier Wochen lang als Schiffsjunge auf der Antigua mit. Die Reise brachte mich von Harlingen nach Longyearbyen. Harlingen ist in Holland und Longyearbyen ist auf Spitzbergen und die Antigua ist ein schönes altes Segelschiff. Die Crew war mit mir 12 Mann stark und wir hatten rund 30 Passagiere an Board.

Die Route führte uns von Holland über die Nordsee bis an die Südküste von Norwegen und dann immer entlang der Küste vorbei an Stavanger, Ålesund bis nach Bodø. Von dort rüber nach Reine auf den Lofoten und weiter entlang der Lofoten bis nach Tromsø und dann durch die Barentsee, kurzer Zwischenstop auf Bjørnoya bis nach Longyearbyen, Spitzbergen. Vier Wochen haben wir eingeplant.

Meine Aufgaben an Board waren vielfältig. Ich war in die Schichten auf der Brücke eingeteilt um dem jeweiligen Steuermann zur Hand zu gehen: Segel setzten und einholen, Radar im Blick halten, mit dem Fernglas den Horizont absuchen und das Schiff auf Kurs halten, wenn der Steuermann mal kurz einen Blick in den Maschinenraum werfen wollte. Tagsüber unterstützte ich die Guides während der Landgänge. Ich fuhr als erster mit an Land um dann den nachfolgenden Passagieren aus den Schlauchbooten zu helfen, die Schwimmwesten einzusammeln. Auf den Wanderungen ging ich als letzter der Gruppe um diese zusammen zu halten und Ausschau nach Eisbären zu halten. Wenn mal wegen allgemeiner Seekrankheit die Personaldecke in der Küche dünn wurde, unterstütze ich auch dort. Es war eine großartige Reise mit tollen Menschen in einer wunderbaren Umgebung. Ich bin sicherlich nicht das letzte Mal so weit oben im Norden gewesen.