Kameratransport ohne Fotorucksack – Wie ich meine Fotoausrüstung beim Wandern und Trekking transportiere

Vor zwei Jahren hatte ich zwar schon mal etwas über Kameras für Bergfotografie geschrieben. Aber weil ich immer wieder gefragt werde, welche Fotoausrüstung ich benutze und wie ich die Kamera beim Trekking und wandern transportiere, will ich jetzt nochmal beschreiben wie es, letztes Jahr in Norwegen, für mich gut funktioniert hat.

Das Kamerasystem – Weg von Vollformat und Spiegelreflex hin zur leichten Systemkamera

Ich brauche einen recht großen Brennweitenbereich: Landschaft, Reportage, Tiere. Mit Reisezooms, alla 18-250mm, habe ich eher durchwachsene Erfahrungen gemacht. In Island hatte ich meine Canon 6D mit einem 24-70mm und einem 70-200mm Objektiv dabei. Das war schwer und umständlich, darum wollte ich dieses Mal darauf verzichten. Also kaufte ich mir zwei kleine, leichte und gebrauchte Fuji X-T10 Systemkameras mit den beiden „Kit-Objektiven“ 18-55mm und 55-200mm aus der XF Reihe. Um noch mehr Gewicht zu sparen hätte man sicher auch nur auf einen Body und die beiden XC Objektive 16-50mm und 50-230mm gehen können, der Brennweitenbereich wäre sogar noch größer gewesen, aber irgendwie fand ich die Plastikbomber nicht so Vertrauen erweckend. Außerdem besitzen die teureren Modelle eine deutlich höhere Lichtstärke. Und warum ich statt eines Bodys zwei mitgenommen habe ist auch schnell erklärt. Bei Systemkameras liegt der Sensor frei und wird nicht, wie bei einer Spiegelreflexkamera, vom Spiegel verdeckt und so geschützt. Ich hatte Angst, beim ständigen Wechsel der Objektive, Dreck in das Innere und auf den Sensor zu bekommen. Hinzu kam die Erfahrung aus Island, dass man immer gerade das falsche Objektiv nicht aufgesetzt hat wenn man es dann braucht. Schneehuhn, Lemming und Vielfraß warten aber nicht darauf, dass ich meine Kamera umgebaut habe. Also ein Body für jedes Objektiv.

F-Stop Kamerarucksack und PeakDesign Adapter vs. Lowe Toploader

Nun sind Tiere und Lichtstimmung im Zweifel auch dann weg, wenn man erst nach der Kamera kramen muss. Wenn der Rucksack dreißig Kilo wiegt nimmt man ihn auch nicht für ein Foto ab. Die Kameras müssen also immer zur Hand sein. Ich habe verschiedene Taschen und Tragesysteme ausprobiert: Fotorucksäcke von F-Stop, Arca-Swiss kompatible Schultergurtadapter von Peak Design, und und und. Die F-Stop Rucksäcke sind sicher gut und für Fotografen die auch wandern. Aber für Wanderer die auch fotografieren taugen sie meiner Ansicht nach nicht. Das Tragesystem ist schon ok aber bestimmt nicht super. Der Platz der für zusätzliche Ausrüstung in den Fotorucksäcken vorgesehen ist reicht nicht aus, wenn man länger als ein oder zwei Tage draußen unterwegs ist. Ich brauche mindestens 75 Liter, ohne Kameraausrüstung. Und: Um an die Kamera zu kommen, muss der Rucksack abgenommen werden. Für meinen Anwendungsfall also nicht unbedingt ideal.
Die PeakDesign Dinger sind eine gute Idee. Man hat einen Metalladapter am Schultergurt in den die Kamera mit der Stativplatte fest eingehängt werden kann. Man hat dann die Hände frei und die Kamera immer griffbereit. Es ersetzt aber keine schützende Tasche. Wenn es regnet will ich meine Kamera gut verstaut wissen. Auch nachts möchte ich sie gerne sicher verstauen können und wenn ich meinen Rucksack abstelle, muss der Fotoapparat auch nicht unbedingt frei am Schultergurt rumbaumeln. Um eine Tasche führt für mich also kein Weg vorbei.

Schließlich bin ich an den Toploadern von Lowepro hängen geblieben. Die sind schlicht und erschwinglich. Meine Canon 6D habe ich bereits wochenlang in einem „Lowepro Toploader Zoom 50“ quer durch Island und Norwegen geschleppt. Das hat sich bewährt. Für die Fujis ist der etwas kleinere Toploader Zoom 35 groß genug, einer pro Kamera. Um nicht zwei einzelne Taschen tragen zu müssen, habe ich einfach beiden verbunden: Vier Löcher, Vier Schrauben, Vier Sicherheitsmuttern und acht Unterlegscheiben, fertig! Hält auch noch nach über 3000km. Getragen habe ich die Tasche dann direkt vor der Brust. Mit zwei Schnellverschlüssen konnte ich die Konstruktion an den Schultergurten meines Rucksacks einhängen. So hatte ich die Hände frei und immer direkten Zugriff auf beide Linsen. Abends im Lager konnte ich die Tasche schnell abnehmen und im Zelt verstauen.

Nur ein fieses Handybild aber man sieht vielleicht ganz gut, was ich verscuht habe im Text zu beschreiben. 🙂

Kameragurte


Die Kameragurte von Fuji verwende ich nicht. Ich finde sie nicht sonderlich schick aber das ist nicht der Grund. Ich finde es unpraktisch, dass ich sie nicht schnell abnehmen kann. (Wenn man bei Wind Langzeitbelichtungen mit Stativ macht ist das zum Beispiel ungünstig.) Darum habe ich kleine Schlaufen aus Nylonschnur an die Metallösen angebraucht. Die Schlaufen sind so groß, dass ich mit der Hand hindurch fassen kann und die Kamera so sicher in der Hand habe. Wenn ich doch mal einen Gurt brauche, hänge ich den mit kleinen Karabinerhaken ein. Weil ich zu geizig bin Fünfzig Euro für irgendwelche Hippen Riemen auszugeben, habe ich mir einfach für etwa 5,50€ eine sechs Millimeter dicke Reepschnur und zwei Karabinerhaken im Bergsportbedarf besorgt. Den Gurt benutze ich sowohl für die Kamera als auch, bei Bedarf, zum Tragen der Tasche. Einmal habe ich damit auch die Abspannleine von meinem Zelt verlängert um den Hering hinter dem großen Stein einschlagen zu können.

Zwei dünne Schlaufen an der Kamera und ein selbst gebastelter Gurt aus 6mm Reepschnur und zwei Karabinern.

Regenschutz

Die Regencover habe ich übrigens aus den Taschen entfernt. Mit der Regenhülle kommt man nicht mehr vernünftig an die Tasche ran und normalen Regen halten die Taschen auch so aus. Außerdem
ist es auch kein großes Problem, wenn die Fuji ein wenig feucht werden. Für richtigen Regen, also solchen bei dem man eh nicht mehr fotografiert, habe ich mir zwei wasserdichte Beutel von Sea to Summit besorgt. Die passen dann mit der X-T10 in den Toploader hinein. Wenn man durch einen Fluß waten muss und Angst hat reinzufallen, ist das auf jeden Fall besser als eine Regenhülle.